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Posts Tagged ‘Meinung’

Rundungen, Lichter und Gewächse

… ein Zitat von Prof. Paul Kirchhof im Rahmen des Karl Jaspers Preises 2014 in Heidelberg.

Wann hat man etwas wirklich durchdrungen? Wann hat man etwas wirklich „verstanden“? Oder anders gefragt, wann hat man mehr als eine bloße Meinung?

Diese Fragen führen etwas in die Irre, da sie dazu verführen wieder die Frage nach Wissen und Expertentum zu diskutieren. Doch sind sie eben auch die Basis um sich mit „interdisziplinären Betrachtungen“ – mit Grenzgängen auseinander zu setzen.

Zur Verdeutlichung ein kleines Beispiel aus meiner Arbeitswelt. Wenn ich ein Video einer isb Veranstaltung frei ins Netz stelle, reichen grundlegende Kenntnisse in der Computerbedienung nicht aus. Ich muss über juristisches Wissen verfügen um zu entscheiden wen ich zeigen darf und welche Musik ich einspielen kann, ich benötige ein Grundwissen über Medienformate, um zu entscheiden wie ich das Video exportiere und ich benötige fachliche Kenntnisse, um einen passenden Abstract zu erstellen.

Bin ich deshalb Experte in der Technik oder in der Medienwissenschaft? Nein, aber ich habe zumindest eine Erfahrung gemacht was funktioniert,  z.B. welche Formate besser verarbeitet werden. Diese Erfahrung versetzt mich in die Lage etwas zu vollbringen – und einen besseren Weg einzuschlagen, als wenn ich die Erfahrungen nicht hätte.

Vor dem Hintergrund dieser kleinen Geschichte, möchte ich nun meine Überlegungen zu wissenschaftlichen Grenzgängen entfalten – die hier nur als erster loser Gedankensplitter aufscheinen können und sollen, schlicht damit ich sie nicht vergesse.

Und zwar geht es mir darum, wann man sich trauen kann einen Umstand/ ein Objekt aus mehreren Perspektiven, Professionen bzw. Fachgebieten zu betrachten. Wann ist das eigene Verständnis von dem Handwerkszeug eines Faches groß genug, um es anwenden zu können? Wann darf ich mich als Pädagoge trauen neurowissenschaftlich zu argumentieren? Wann darf ich als Pädagoge sozialwissenschaftliche oder historisch argumentieren? Wie viel Kenntnis von dem Zusammenhängen brauche ich? Oder anders gesagt, wann bin ich Experte genug um mir eine Äußerung zuzutrauen?

Reicht es aus, ein Buch zum Thema gelesen zu haben? Reicht es, einen Vortrag zu gehört zu haben? Muss ich selbst eine Studie dazu gemacht haben oder ein Studium absolviert haben? In wie fern hilft mir sauberes Zitieren, das kenntlich machen in dieser Situation? Oder anders gefragt, wie viel Meinung darf in einem guten Paper stecken und wie viel Fachkenntnis (oder eben Einsicht) ist notwendig?

Eine Antwort habe ich heute nicht, doch die Frage wird sicher in meiner Diss. aufscheinen – wenn es um die Perspektiven geht, mit denen einzelne relevante Aspekte einer spezifischen Lernkultur betrachtet werden sollen.

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