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Posts Tagged ‘Kritik’

Diese Jahr fanden in Karlsruhe das AKWM Symposium und das Knowledgecamp als verbundene Veranstaltungen statt, gemeinsames Hashtag #amk12.

Beide Hauptorganisatoren (Thomas Sohler und Karlheinz Pape) sind mir eng verbunden und beide schätze ich sehr. Doch leider hat mir dieses Jahr etwas Zentrales gefehlt, der Spirit vergangener Jahre. Was meine ich damit. Bisher hatten mich die Veranstaltungen an verschiedenen Stellen immer wieder überrascht, ich habe mir immer viel mitgenommen. Doch dieses Jahr war dies nur sehr partiell so. Auf dem AKWM war Prof. Braungart mit “Cradle to Cradle” überragend und auf dem Knowledgecamp hat mich die Session (Link hier) von Stephan Tanneberger sehr inspiriert … (more…)

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So, die Thesen wie Medien auf Lernen wirken sind gesammelt, priorisiert, selektiert und bereit diskutiert zu werden. Hier nun als Auszug aus der Masterarbeit…

  • Medien prägen die Wahrnehmung und die Art zu denken, was anhand der linearen Schriftkultur und der oralen Stammeskultur deutlich wird (McLuhan, 1970, S. 85 ff.). Meyrowitz spitzt dies zu indem er ausführt „we remain heavily dependent on literacy in both the way we store information and in the way we think“ (1985, S. 307.). Sein Lehrer Postman ergänzt, dass unsere Medienmetaphern die Welt für uns in eine zeitliche Abfolge bringen, sie vergrößern, verkleinern, einfärben und sie damit eine bestimmte Deutung der Beschaffenheit der Wirklichkeit hervorrufen (Postman, 2009, S. 20.).
  • Medien, insbesondere das Fernsehen,  werden zu einem zentralen Element der Erziehung und ersetzen dadurch menschliche Bindungen (Postman, 2009, S. 168 ff.). Menschen die von Beginn an mit Medien aufwachsen, nutzen Medien unreflektierter.
  • Medien prägen unsere Kommunikation und unsere Wahrnehmung, sie teilen die Welt nicht mit, sondern für uns ein (Luhmann und Fuchs, 1989, S. 7.).
  • Dabei sind Medien stets technisch geprägt ohne etwas technisches zu sein, fordern uns jedoch auf, die Welt naturwissenschaftlich mathematisch nach Descartes (vgl. Aicher, 1991, S. 11.)  herauszufordern bzw. sie zu stellen und ihr ihre „Geheimnisse“ zu entreißen (Heidegger, 1962, S. 14 ff; 21.). Dies bestimmt wie wir etwas über die Welt lernen und offenbart zugleich eine Kanalreduktion, bestimmt durch eine Art des Entbergens, es ist nur erkennbar was die Technik bzw. die Medien erkennen lassen.
  • Heiße Medien lassen weniger Beteiligung zu und kalte Medien fordern persönliche Beteiligung (McLuhan, 1970, S. 32 ff.).
  • Medien sind selbst kommerzielle geprägt, unterliegen also dem Systemcode „haben/ nicht haben“. Durch die medial vermittelte Kommunikation tragen sie diese Prägung in Lernkontexte, vgl. hierzu das aktuelle Vorgehen der Schulbuchverlage im Kontext des Urheberrechts (Schulbuchverlage, 2010).
  • Digitale Medien schaffen eine parallele, fiktive Welt ohne Sinn zu stiften, da sie keine ausreichende Rückbindung an die materielle Welt besitzen (Aicher, 1991, S. 75 ff.). Der Information-Overload führt zusätzlich zu einem Orientierungs- und Sinndefizit, kurz zu Konfusion. Dies kann jedoch nicht durch die Infusion von mehr Informationen behoben werden (Bolz, 2007, S. 26.).
  • Moderne Medien zerstückeln Daten in einer Weise, dass daraus „kontextlose Information“[1] wird, die durch Belanglosigkeit und Zusammenhangslosigkeit zu Handlungsunfähigkeit führt (Postman, 2008, S. 85 ff.). Ein Verstehen von Zusammenhängen wird dadurch erheblich erschwert.
  • Medien sprengen die Grenzen der Anwesenheit und zwingen zu einer neuen Grenzziehung, einer neuen Unterscheidung von hier und dort (Meyrowitz, 1985, S. 320.). Anwesenheit wird zunehmen durch kommunikative Erreichbarkeit ersetzt, womit die Kontexte erklärungsbedürftig (er) werden (Bolz, 2007, S. 118.). Situationsvariablen wie gemeinsamer Lernort oder Präsenz entfallen. Dies ist kritisch, da es nach Luhmann unwahrscheinlich ist, dass eine Kommunikation mehr Personen erreicht, als in einer konkreten Situation anwesend sind und sich die Unwahrscheinlichkeiten wechselseitig verstärken (2009, S. 30 f.).
Und was stellt die Pädagogik dem entgegen? – Dazu morgen mehr…


[1] Anm. d. Autors, es ist der Widerspruch in dem Ausdruck zu berücksichtigen, da Information per Definition in einen Kontext eingebettet sein muss.

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Das Educamp Köln verbinde ich mit einer persönlichen Lektion. Aus diesem Grund möchte ich untypisch für diesen Blog neben den theoretischen Überlegungen auch einen persönlichen Arktikel verfassen – der fachlich interessierte Leser möchte mir dies nachsehen.

Am Samstag habe eine Session zu Medien, Wissen und Lernen gehalten (Forum, Etherpad). Im Vorfeld hatte ich mir überlegt, ob ich viel vorbereiten soll, oder offen in die Session gehe und gespannt bin was passiert. Meine Sorge dabei war, dass in den gegebenen 45min zu den Knackpunkten, also den Wirkungen komme. Ich habe mich aus meiner Sicht für ein sehr offenes Format entschieden, wozu es allerdings die folgenden Kritikpunkte gab:

  • die Session war wie Schulunterricht aufgebaut
  •  bei vielen Fragen hatten ich das Gefühl, die Antwort wäre schon Dir schon bekannt (Frage nur als Hinleitung zu XXX)
  • Du hast zu viel gesteuert und nicht nur Strukturiert
  • es fehlten eindeutige, vielschichtige Modelle/ Definitionen, so wurde die Darstellung dem Thema nicht gerecht

… es gab aber auch positive Stimmen:

  • bei vielen Session bleiben kommen wir zu keinem Ergebnis, ich finde es gut mit einem Fokus zu moderieren
  • Du als Sessiongeber hast ja ein Interesse an einem bestimmten Thema,

Mich hat die Kritik getroffen. Nicht weil sie unberechtigt gewesen wäre, sondern gerade weil mir Defizite bewusst werden. Ich finde es gut, wenn keine unberechtigte Lobhudelei gefeedbacked wird. Doch komme ich zu einem anderen Ergebnis als die meisten erwarten => was mache ich also anders…

  • ich gebe mir wieder mehr Mühe in der Vorbereitung (Kerndarstellungen, Folien)
  •  ich mache mir vorher bewusst was ich will, was mein Ziel ist
  • ich mache die Agenda (bzw. die Kernfragen) sichtbar und trage Sorge dafür, dass sie während der Session sichtbar bleiben
  • ich kläre vorher mit den Teilnehmern, ob mein angestrebtes vorgehen (und meine Haltung) i.O. sind => Stichwort: Contracting
  • ich lasse ein Tonband laufen, damit ich im Rückblick nochmal hören kann, wie ich formuliert habe und in welchem Ton

+ ich arbeite nochmal die Session vom #ecbi11 durch, in der die Göre die Durchführung guter Sessions erarbeitet hat.

+ ich appelliere hier in meinem Blog alle Rezipienten dazu, ihre Ideen als Kommentar zu ergänzen. Dafür im Voraus schon mal vielen Dank!

Für Persönliches Feedback an der Stelle schon mal vielen Dank an Herrn Larbig, Jana, Julia M., Anja L. und die weiteren aktiven Teilnehmer der Session!

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Abgesehen von einer großartigen Umsetzung zeichnet sich der oben genannte Film durch die Kernaussage aus „Medien haben ihre Grenzen“.

 

In dem Film werden Menschen in ihren schwächsten Momenten gezeigt, in einem Entlassungsgespräch

Diese Situation stellt eine der emotionalsten und gleichzeitig schwierigsten Kommunikationssituationen dar. Die Betroffenen werden mit Versagensängsten, mit der Frage des Sinns und mit Unsicherheit konfrontiert. Wie soll es weitergehen? Was sagen meine Kinder? Was sagt mein Partner? Ist mein Leben jetzt vorbei?  Es geht also in erster Linie nicht um die Botschaft, sondern es geht um Emotionen. Es geht darum einen Raum zu schaffen um mit der Situation umzugehen, die Emotionen zu konfrontieren – und auch darum einen Weg anzubieten wie es weitergehen kann.

Um die Situation im Guten abzuschließen sind also aus Sicht der Überbringers die Fragen zu stellen:  Wie kann Verständnis, Mitgefühl, Wertschätzung und Authentizität vermittelt werden. Wann ist dies glaubhaft? Eine Szene des Films stellt die Entlassung eines Mitarbeiters via „online-chat“ dar. Weiterführende Unterlagen liegen auf dem Arbeitsplatz, das Gespräch wird routinemäßig durchgeführt. Der Betroffene weint, weiß aber nicht an wen er sich mit seinem Anliegen wenden soll. Er sitzt alleingelassen vor dem Bildschirm, an dessen anderem Ende der „Entlasser“ sitzt. (In dem Film klug arrangiert, nur ein Zimmer nebenan, IRONIC…). Der Mann verlässt weinend und deprimiert den Raum, ohne auf die Kommunikationsversuche via Chat weiter einzugehen.

Die Situation macht deutlich, es kann eben nicht alles online passieren. Es gibt Grenzen für die Geschäftsmodelle, auch wenn Gunter Dueck die „Flachbildschirmrückseitenberater“ als obsolet bezeichnet. Sie bieten eben doch mehr als die technischen Screens, sie sind fähig zur Emotion, zur Empathie und agieren im mehrdimensionalen Raum. Und natürlich ist Duecks Einwand gerechtfertigt, dass ich über Google das meiste an Informationen selbst recherchieren kann, der Berater ja häufig nichts anderes tut. Um kurz bei diesem Gedanken zu verweilen, das gleiche Produkt kann einen völlig unterschiedlichen Wert haben, je nachdem wie es verkauft wurde, von wem etc… ansonsten müssten namhafte Autohersteller  keinen „Erlebnistag für Neuwagenkäufer“ organisieren (VW in Wolfsburg, Mercedes in Bremen, BMW in München und Audi in Ingolstadt bzw. Neckarsulm). Ich greife hier gerne ein banales Beispiel, die Tasse vom Glühweinstand, z.B. aus Heidelberg. Eine Tasse habe ich 2010 gekauft, zusammen mit Kommolitonen und bei Schnee. Es gibt Bilder von dem Abend – für mich ist die Tasse damit emotional aufgeladen. Betrachte ich die Tasse, kommen manchmal schöne Erinnerungen wieder hoch. Wenn wir nun alles der Logik opfern, eine Oper irgendwann nurnoch als Informationsvermittlung für die Geschichte sehen, verliert unsere Welt mehr, als nur ein paar Einnahmen für Opernkarten.

Doch zurück zum Ausgangspunkt. Es gibt eben Aspekte im Leben, die sollten nicht digital vermittelt werden, da es mehr als Nullen und Einsen bedarf um sie zu begreifen (Im Film schön durch SMS bzw. Textmessages dargestellt, mit denen ein Liebes- und eine Geschäftsbeziehung beendet wird). Für mich gehören Wärme, Geborgenheit und auch Vertrauen dazu. Drum sollten wir uns nochmal Gedanken machen, was wir denn in Präsenz vermitteln können und wollen – und was eben nicht.

Ich muss hier an Christian Spannagel denken, der kürzlich fragte was man denn durch (digitale) Medien in der Schule nicht besser vermitteln könne. Die o.g. Zeilen sind ein Ansatz. Und vielleicht ist es auch die Aufgabe einer Universität die Studenten zusammen zu bringen, den Grundstein für Lerngruppen zu schaffen und für Bekanntschaften. Aus diesen können dann neue Netzwerke entstehen in denen sich die jungen Menschen zu charakterstarken Bürgern entwickeln. … Das klingt jetzt wie eine Absage an Fernuniversitäten, ist es vielleicht auch, damit habe ich mich jedoch noch nicht näher beschäftigt. … MERKER!

Und ja, der Film selbst ist ein Beweis dafür, dass Medien Gefühle transportieren können. Der Zuschauer ist betroffen von dem Schicksal der Entlassenen. Er erfährt eine Geschichte. Er lernt einen anderen Lebensstil kennen und spürt die Verzweiflung des Hauptdarstellers zum Ende des Films. Es wird die Illusion spürbar, welche das Leben aus dem Rucksack verkörpert. Doch mal ehrlich, welches WBT oder CBT geht tatsächlich auf die emotionale Ebene? Wieviele Rhetorik CD´s haben nichts anderes als Ratschläge für uns, schaffen aber nicht im Ansatz eine Stimmung, wie bei der Präsentation in der Kleingruppe (Gruppendynamik, Feedback, Kollegiale Beratung etc.).

Mich erinnert der Film also wieder an die Grenzen von Medien. Es wird deutlich, dass Medien der direkten Kommunikation Einschränkungen unterworfen sind, die wir gerne verdrängen wollen. Ein Onlinechat ist eben kein Gespräch unter Anwesenden. Es ist und bleibt symbolvermittelte Kommunikation, in der es kein Umarmen, keine Wärme, dafür aber ein enges Fenster an Handlungsoptionen respektive Kontext gibt. Das Gegenüber kann den Kontext verlassen, das Medium bleibt zur Tatenlosigkeit verdammt.

Dies sollten wir uns wieder bewusst machen, wenn wir die Möglichkeiten der neuen Medien diskutieren und preisen. Um es klar zu sagen, mit den Gedanken möchte ich mich nicht gegen die Nutzung von neuen Medien aussprechen. Ich bin überzeugt, die Daten und Informationen die auf Logik, Verständnis, Fakten abzielen – also alles was logisch mathematisch ausgedrückt werden könnte – können wir über neue Medien gut vermitteln. Es kann sogar sein, dass wir Freude schenken, mit einem witzigen Video oder der Kopie eines tollen Bildes. Doch all dem ist eben eine Grenze gesetzt, die wir nicht durchdringen sollten. Denn auch wenn wir vom Vorbild „der indischen Götter folgen, und uns als Avatare in der Online-Welt“ erschaffen, bleiben wir doch Menschen. Und wir können vielleicht wissen was in der Online-Welt möglich ist, welche Gesetze dort gelten (diese sind ja nichts anderes als Algorhytmen vom Menschen programmiert), wir sollten trotzdem erstmal versuchen unsere Welt besser zu gestalten, bevor wir neue Welten mit alten (fehlerhaften) Mustern erschaffen.

FAZIT

Film anschauen und Gedanken machen. Es lohnt sich

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