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Posts Tagged ‘Haltung’

Als Medienpädagoge vertrete ich die Meinung, dass eine Präsenzveranstaltung das reichhaltigste Angebot zum Lernen zur Verfügung stellt und als am „reichhaltigsten“ eingeschätzt werden kann. Und natürlich sprengen Medien die Grenzen der Anwesenheit, zwingen zu einer neuen Grenzziehung, einer neuen Unterscheidung von hier und dort (Meyrowitz, 1985, S. 320.). Anwesenheit wird zunehmend durch kommunikative Erreichbarkeit ersetzt, womit die Kontexte häufig erklärungsbedürftig (er) werden (Bolz, 2007, S. 118.). Situationsvariablen wie gemeinsamer Lernort oder Präsenz entfallen. Nach Luhmann sinkt bei fehlender Anwesenheit in einer konkreten Situation die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kommunikation mehr Personen erreicht, wobei sich die Unwahrscheinlichkeiten* wechselseitig verstärken (2009, S. 30 f.).

Bei der heutigen Kreidezeit (Link hier) habe ich jedoch für mich eine völlig neue Erfahrung gemacht. Das eigentliche Lernen fand nicht durch das live zuhören (ich war vor Ort) statt, sondern im Chat über Skype. In diesem Chat gab es kein Video, sondern ausschließlich der Austausch von einigen wenigen Bildern wurde genutzt um einen Eindruck der Atmosphäre zu geben. Trotz der Reduktion auf Text, auf das geschriebene Wort lag die Aufmerksamkeit bei meinem Gegenüber und eben nicht bei Gunter Dueck (@wilddueck) im Raum.

Es war also nicht so, dass Twitter, Titanpad, Stream und vor allem Skype eine Ergänzung zu dem Liveevent wären, sondern das Liveevent war Impulsgeber für den Chat, in dem das eigentliche Lernen stattfand. Das Ranking sah dann wie folgt aus

Zitat: „Bei der Diskussion merkt man doch grad deutlich, was einer Person wirklich weiterhilft – wir haben hier vortrag, face to face diskussion, twitter diskussion und unserer diskussion und die reihung ist bei mir grad völlig klar

1. die disk. mit dir (gemeint bin ich als Chat-Partner)
2. dann die disk vor ort/die da grad reden
3. irgendwann dann twitter (und die tweets werden ja auch nicht aufgegriffen)“

Ein Blick auf diese Rangliste hat für uns die Frage aufgeworfen, welchen Stellenwert die Beziehung zu seinem Gegenüber hat. Wie nahe man sich steht, ob/ wie man sich aufeinander einlassen kann.

Dieser Frage möchte ich in den nächsten Tagen nachgehen. Denn zum einen scheint sie mir wichtig bei der Frage was unsere Kinder Lernen sollten, wie eine Bildung im 21. Jahrhundert aussehen soll – und zum anderen passt es gut zu meinem Neuen Steckenpferd: – wait for it – „Lernkultur“

* 1.) Unwahrscheinlichkeit, daß einer überhaupt versteht, was der andere will 2.) Unwahrscheinlichkeit des Erreichens von Empfängern 3.) Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs von Kommunikation (wobei hier die hohe Bedeutung der Anwesenheit hervorgehoben wird, da auf Abläufe innerhalb von Interaktionssystemen unter Anwesenden abgestellt wird).

BOLZ, N. (1995) Am Ende der Gutenberggalaxis,   2. Auflage München, Wilhelm Fink Verlag.

BOLZ, N. (2001) Weltkommunikation,  München, Wilhelm Fink Verlag.

BOLZ, N. (2007) Das ABC der Medien,  München, Wilhelm Fink Verlag.

LUHMANN, N. (2009) Soziologische Aufklärung 3, (original work published 1981)  5. Auflage Wiesbaden, VS Verlag.

MEYROWITZ, J. (1985) No sense of place: The impact of electronic media on social behavior,  Oxford, Oxford University Press New York.

PS: Außerdem hat Christian darauf hingewiesen, dass am Ende vieler Informeller Gespräche derzeit die Frage der “Haltung” auftaucht. Auch dies ist mir zeitnah einen Artikel wert – würde mich freuen hier in eine Diskussion zu kommen.

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Das Educamp Köln verbinde ich mit einer persönlichen Lektion. Aus diesem Grund möchte ich untypisch für diesen Blog neben den theoretischen Überlegungen auch einen persönlichen Arktikel verfassen – der fachlich interessierte Leser möchte mir dies nachsehen.

Am Samstag habe eine Session zu Medien, Wissen und Lernen gehalten (Forum, Etherpad). Im Vorfeld hatte ich mir überlegt, ob ich viel vorbereiten soll, oder offen in die Session gehe und gespannt bin was passiert. Meine Sorge dabei war, dass in den gegebenen 45min zu den Knackpunkten, also den Wirkungen komme. Ich habe mich aus meiner Sicht für ein sehr offenes Format entschieden, wozu es allerdings die folgenden Kritikpunkte gab:

  • die Session war wie Schulunterricht aufgebaut
  •  bei vielen Fragen hatten ich das Gefühl, die Antwort wäre schon Dir schon bekannt (Frage nur als Hinleitung zu XXX)
  • Du hast zu viel gesteuert und nicht nur Strukturiert
  • es fehlten eindeutige, vielschichtige Modelle/ Definitionen, so wurde die Darstellung dem Thema nicht gerecht

… es gab aber auch positive Stimmen:

  • bei vielen Session bleiben kommen wir zu keinem Ergebnis, ich finde es gut mit einem Fokus zu moderieren
  • Du als Sessiongeber hast ja ein Interesse an einem bestimmten Thema,

Mich hat die Kritik getroffen. Nicht weil sie unberechtigt gewesen wäre, sondern gerade weil mir Defizite bewusst werden. Ich finde es gut, wenn keine unberechtigte Lobhudelei gefeedbacked wird. Doch komme ich zu einem anderen Ergebnis als die meisten erwarten => was mache ich also anders…

  • ich gebe mir wieder mehr Mühe in der Vorbereitung (Kerndarstellungen, Folien)
  •  ich mache mir vorher bewusst was ich will, was mein Ziel ist
  • ich mache die Agenda (bzw. die Kernfragen) sichtbar und trage Sorge dafür, dass sie während der Session sichtbar bleiben
  • ich kläre vorher mit den Teilnehmern, ob mein angestrebtes vorgehen (und meine Haltung) i.O. sind => Stichwort: Contracting
  • ich lasse ein Tonband laufen, damit ich im Rückblick nochmal hören kann, wie ich formuliert habe und in welchem Ton

+ ich arbeite nochmal die Session vom #ecbi11 durch, in der die Göre die Durchführung guter Sessions erarbeitet hat.

+ ich appelliere hier in meinem Blog alle Rezipienten dazu, ihre Ideen als Kommentar zu ergänzen. Dafür im Voraus schon mal vielen Dank!

Für Persönliches Feedback an der Stelle schon mal vielen Dank an Herrn Larbig, Jana, Julia M., Anja L. und die weiteren aktiven Teilnehmer der Session!

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