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Posts Tagged ‘Grenzen’

Abgesehen von einer großartigen Umsetzung zeichnet sich der oben genannte Film durch die Kernaussage aus „Medien haben ihre Grenzen“.

 

In dem Film werden Menschen in ihren schwächsten Momenten gezeigt, in einem Entlassungsgespräch

Diese Situation stellt eine der emotionalsten und gleichzeitig schwierigsten Kommunikationssituationen dar. Die Betroffenen werden mit Versagensängsten, mit der Frage des Sinns und mit Unsicherheit konfrontiert. Wie soll es weitergehen? Was sagen meine Kinder? Was sagt mein Partner? Ist mein Leben jetzt vorbei?  Es geht also in erster Linie nicht um die Botschaft, sondern es geht um Emotionen. Es geht darum einen Raum zu schaffen um mit der Situation umzugehen, die Emotionen zu konfrontieren – und auch darum einen Weg anzubieten wie es weitergehen kann.

Um die Situation im Guten abzuschließen sind also aus Sicht der Überbringers die Fragen zu stellen:  Wie kann Verständnis, Mitgefühl, Wertschätzung und Authentizität vermittelt werden. Wann ist dies glaubhaft? Eine Szene des Films stellt die Entlassung eines Mitarbeiters via „online-chat“ dar. Weiterführende Unterlagen liegen auf dem Arbeitsplatz, das Gespräch wird routinemäßig durchgeführt. Der Betroffene weint, weiß aber nicht an wen er sich mit seinem Anliegen wenden soll. Er sitzt alleingelassen vor dem Bildschirm, an dessen anderem Ende der „Entlasser“ sitzt. (In dem Film klug arrangiert, nur ein Zimmer nebenan, IRONIC…). Der Mann verlässt weinend und deprimiert den Raum, ohne auf die Kommunikationsversuche via Chat weiter einzugehen.

Die Situation macht deutlich, es kann eben nicht alles online passieren. Es gibt Grenzen für die Geschäftsmodelle, auch wenn Gunter Dueck die „Flachbildschirmrückseitenberater“ als obsolet bezeichnet. Sie bieten eben doch mehr als die technischen Screens, sie sind fähig zur Emotion, zur Empathie und agieren im mehrdimensionalen Raum. Und natürlich ist Duecks Einwand gerechtfertigt, dass ich über Google das meiste an Informationen selbst recherchieren kann, der Berater ja häufig nichts anderes tut. Um kurz bei diesem Gedanken zu verweilen, das gleiche Produkt kann einen völlig unterschiedlichen Wert haben, je nachdem wie es verkauft wurde, von wem etc… ansonsten müssten namhafte Autohersteller  keinen „Erlebnistag für Neuwagenkäufer“ organisieren (VW in Wolfsburg, Mercedes in Bremen, BMW in München und Audi in Ingolstadt bzw. Neckarsulm). Ich greife hier gerne ein banales Beispiel, die Tasse vom Glühweinstand, z.B. aus Heidelberg. Eine Tasse habe ich 2010 gekauft, zusammen mit Kommolitonen und bei Schnee. Es gibt Bilder von dem Abend – für mich ist die Tasse damit emotional aufgeladen. Betrachte ich die Tasse, kommen manchmal schöne Erinnerungen wieder hoch. Wenn wir nun alles der Logik opfern, eine Oper irgendwann nurnoch als Informationsvermittlung für die Geschichte sehen, verliert unsere Welt mehr, als nur ein paar Einnahmen für Opernkarten.

Doch zurück zum Ausgangspunkt. Es gibt eben Aspekte im Leben, die sollten nicht digital vermittelt werden, da es mehr als Nullen und Einsen bedarf um sie zu begreifen (Im Film schön durch SMS bzw. Textmessages dargestellt, mit denen ein Liebes- und eine Geschäftsbeziehung beendet wird). Für mich gehören Wärme, Geborgenheit und auch Vertrauen dazu. Drum sollten wir uns nochmal Gedanken machen, was wir denn in Präsenz vermitteln können und wollen – und was eben nicht.

Ich muss hier an Christian Spannagel denken, der kürzlich fragte was man denn durch (digitale) Medien in der Schule nicht besser vermitteln könne. Die o.g. Zeilen sind ein Ansatz. Und vielleicht ist es auch die Aufgabe einer Universität die Studenten zusammen zu bringen, den Grundstein für Lerngruppen zu schaffen und für Bekanntschaften. Aus diesen können dann neue Netzwerke entstehen in denen sich die jungen Menschen zu charakterstarken Bürgern entwickeln. … Das klingt jetzt wie eine Absage an Fernuniversitäten, ist es vielleicht auch, damit habe ich mich jedoch noch nicht näher beschäftigt. … MERKER!

Und ja, der Film selbst ist ein Beweis dafür, dass Medien Gefühle transportieren können. Der Zuschauer ist betroffen von dem Schicksal der Entlassenen. Er erfährt eine Geschichte. Er lernt einen anderen Lebensstil kennen und spürt die Verzweiflung des Hauptdarstellers zum Ende des Films. Es wird die Illusion spürbar, welche das Leben aus dem Rucksack verkörpert. Doch mal ehrlich, welches WBT oder CBT geht tatsächlich auf die emotionale Ebene? Wieviele Rhetorik CD´s haben nichts anderes als Ratschläge für uns, schaffen aber nicht im Ansatz eine Stimmung, wie bei der Präsentation in der Kleingruppe (Gruppendynamik, Feedback, Kollegiale Beratung etc.).

Mich erinnert der Film also wieder an die Grenzen von Medien. Es wird deutlich, dass Medien der direkten Kommunikation Einschränkungen unterworfen sind, die wir gerne verdrängen wollen. Ein Onlinechat ist eben kein Gespräch unter Anwesenden. Es ist und bleibt symbolvermittelte Kommunikation, in der es kein Umarmen, keine Wärme, dafür aber ein enges Fenster an Handlungsoptionen respektive Kontext gibt. Das Gegenüber kann den Kontext verlassen, das Medium bleibt zur Tatenlosigkeit verdammt.

Dies sollten wir uns wieder bewusst machen, wenn wir die Möglichkeiten der neuen Medien diskutieren und preisen. Um es klar zu sagen, mit den Gedanken möchte ich mich nicht gegen die Nutzung von neuen Medien aussprechen. Ich bin überzeugt, die Daten und Informationen die auf Logik, Verständnis, Fakten abzielen – also alles was logisch mathematisch ausgedrückt werden könnte – können wir über neue Medien gut vermitteln. Es kann sogar sein, dass wir Freude schenken, mit einem witzigen Video oder der Kopie eines tollen Bildes. Doch all dem ist eben eine Grenze gesetzt, die wir nicht durchdringen sollten. Denn auch wenn wir vom Vorbild „der indischen Götter folgen, und uns als Avatare in der Online-Welt“ erschaffen, bleiben wir doch Menschen. Und wir können vielleicht wissen was in der Online-Welt möglich ist, welche Gesetze dort gelten (diese sind ja nichts anderes als Algorhytmen vom Menschen programmiert), wir sollten trotzdem erstmal versuchen unsere Welt besser zu gestalten, bevor wir neue Welten mit alten (fehlerhaften) Mustern erschaffen.

FAZIT

Film anschauen und Gedanken machen. Es lohnt sich

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I don´t know who discovered water, but it certainly wasn´t a fish.” (Marshall McLuhan)

Was hat dieses Zitat mit Medien zu tun?

Marshall McLuhan versuchte damit zu verdeutlichen, dass wir alle in einer Umwelt leben, die voller Medien ist. So wie der Fisch das Wasser zum Leben braucht, brauchen wir die Medien. Und wie die Fische wollen oder können viele von uns Menschen das nicht wahrhaben, sind sich also dessen nicht bewusst.

Die obigen Ausführungen sind aus zwei Gründen für mich relevant. Zum einen Versuche ich eine Struktur in die Betrachtung von Medien zu bekommen (1), zum anderen möchte ich Medienwirkungen auf das Lernen beschreiben (2).

Zu 1
Nach der gängigen Literatur (Quellen wie Hepp, Faulstich, Bolz reiche ich nach) werden Medien vor allem aus zwei Perspektiven bzw. Überzeugungen heraus gedacht. Zum einen Medien die als Mittler, Mediator also als Transportmedium im eigentlichen Sinne gedacht werden. Nicht ganz korrekt aber einfach zu verstehen ist hier das Beispiel des Telefonanrufs oder des Briefs. Eine Nachricht wird von einem Sender A zu einem Empfänger B transportiert. Es kommt ein Teil der angestrebten Inhalte beim Empfänger an und er interpretiert weitere hinzu (z.B. eine Intention). Aus dieser Perspektive wird vor allem in der Pädagogik gedacht. Das Medium soll einen Inhalt I, an die Schüler B1, B2, B3 etc. vermitteln. Das Medium ist also ein Tool.

Zugleich stellen die Medien, überwiegend die Massenmedien aber auch die einen Teil unserer Umwelt dar. Sie kommen also nicht nur im Unterrichtskontext vor, sondern Schüler nutzen in der Freizeit das Internet oder hören MP3s beim Joggen. Dieser zweite Aspekt wird in der Pädagogik in meiner Wahrnehmung meistens zu wenig berücksichtigt. Dabei können wir doch feststellen, dass Handy, IPhones, Notebooks, Tablet PCs, IPads, Radio … Reklametafeln, Schaufenster etc. in immer mehr Bereiche unseres Lebens vordringen, und dies auch noch immer häufiger. Ohne jetzt auf Gründe wie Preisentwicklungen etc. eingehen zu wollen hierzu noch der Kommentar von Norbert Bolz in Bezug auf Email: “Kommunikationstechnologien treten mit einem sozialen Anschlußzwang auf dem sich letztlich niemand mehr entziehen kann. Ohne Netzadresse gilt man heute als Irrläufer der Medienrevolution” (Bolz, Weltkommunikation 2001 S. 8). Taking this into account, können wir Schule nicht mehr ohne eine mediendurchsetzte Lebenswelt (siehe Husserl und Habermas) denken. Es ist eben nicht vergleichbar mit dem Lehrer  (hier ist jetzt explizit der Berufsstand gemeint, in einer speziellen Rolle) , der nur im Schulkontext existiert und dem man danach vielleicht als Nachbarn wahrnimmt. Die Massenmedien sind immer dar, und das was wir über die Welt wissen, oder zumindest das meiste Wissen wir aus den Massenmedien (Luhmann).

Angenommen die o.g. Überlegungen sind richtig, müssen wir auch in der Lehre anfangen Medien in verschiedenen Dimensionen zu denken. Und dabei sind wir plötzlich mit dem Gedanken von konfrontiert, dass Schule (so wie wir sie als Institution gerade denken) obsolet ist. Lynch brachte es 2002 auf einen Satz:  “These media in Mc Luhans view, would ultimately lead to students liberation from schooling and thus to the end of the school as an institution. ” (LYNCH, J. What can we learn from Mc Luhan? Electronical communication technologies and the future of schooling. In:  JEFFREY, P., ed. Conference Paper AARE 2002, 2002 Melbourne. 1-16.) Auch Neil Postman merkte 1982 schon an, dass die Schule der letzte Hüter der Schriftkultur sei. In seiner Sicht werden junge Erwachsene (er schrieb ja auch über das verschwinden der Kindheit 🙂 ) aus einem Leben im 20. Jahrhundert während der Schulstunden zurück in das graue 19. Jahrhundert versetzt. Texte sind linear, das Leben wir nur noch indirekt vermittelt …

Doch wie tun wir das? Auf welcher Ebene setzen wir an?

Vielleicht mit der Luhmann eigenen dritten Dimension von Medien, mit symbolisch generalisierten Massenmedien, die sich am Erfolg orientieren. … Leider bin ich noch nicht soweit das Konzept wirklich verstanden zu haben, drum springe ich zurück zu Bolz. Er macht uns klar, dass es uns nicht an Informationen (bzw. Daten) mangelt, sondern an Orientierung (und um Bernd Schmid zu ergänzen, an Sinn). Könnten wir als Pädagogen uns Gedanken machen wie wir dabei helfen Orientierung zu geben und Lernende dazu befähigen sich selbst zurecht zu finden, ja vielleicht sogar für sich einen Sinn zu finden? Könnte es sein, dass wir Faktenwissen zu Hauf in technischen Systemen speichern, aber den Zugang dazu nicht adäquat vermitteln? Prinzipien und Muster auf der Strecke bleiben – es gibt ja schließlich jedes Schuljahr Fakten eines Weltjahres mehr…

Okay gut, ganz können wir nicht auf Fakten verzichten, und vor allem nicht auf Geschichten. Man stelle sich vor, jedes Wort eines Textes müsste gegoogled oder via Wikipedia nachgeschlagen werden. Die Rezeption einer Seite würde dann Stunden in Anspruch nehmen (wie manchmal zumindest gefühlt bei Niklas Luhman…)

Die Antwort lässt noch auf sich warten, genauso wie Teil II, die Auswirkungen auf die Schule im konkreten.

Doch da ich mich als BloggerNewby fühle, probiere ich einfach mal aus, was mit einem halbfertigen Artikel geschieht, welche Hilfestellungen mir gegeben werden…. ich verbleibe gespannt und warte erstmal auf Kommentare ….

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