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Posts Tagged ‘Erkenntnis’

Ein Blick in unsere Lebenswelt (Husserl, Bredekamp, Bolz, Heidegger) genügt um festzustellen, vieles ist anders als man glaubt. Fernab der großen theoretischen Konstrukten bauen Menschen trotzdem ihr Wissen auf, gehen mit Unsicherheit um und versuchen zu verstehen was „der Fall ist“, was „wirklich ist“ versuchen zu erkennen. (Berger und Luckmann, 2004). In der Wissenschaft werden hierzu Kriterien definiert, wird formuliert was denn eine Tatsache sei (Fleck, 1980) und was eben nicht. Aber was ist das, was keine Tatsache ist?

Ist es deshalb nicht da, nur weil es  bestimmte Kriterien nicht erfüllt? Können wir es ignorieren, nur weil wir es im Moment nicht zu fassen kriegen? Es gibt eine schöne Geschichte von Paul Valerie mit dem Namen Eupalinos. Darin führt Sokrates ein fiktives Gespräch im Hades und wird mit seiner Jugend konfrontiert. Damals fand er ein Ding am Strand, dem er mit keiner seiner Fragen Herr werden konnte. Dies hätte ihn gezwungen an seiner Überzeugung zu zweifeln … also schmiss er das Ding zurück ins Wasser und vergas was passiert war. Die meisten von uns wissen J er wurde ein großer Denker.

Bezogen auf unser heutiges Leben scheinen starke Gefühle, die gern zitierte Liebe das beste Beispiel. Wir können bis heute in der Wissenschaft noch nicht fassen was Liebe wirklich heißt. Wir können Wirkungen beschreiben, wir können Symptome beschreiben aber ähnlich wie beim Wissen versuchen wir das „Ding“, die Liebe funktional zu beschreiben ohne zum tiefsten Kern vorzudringen. Dürfen wir sie trotzdem ignorieren, wo wir doch zumindest annehmen, dass dieses Phänomen „Liebe“ das Leben vieler Menschen maßgeblich beeinflusst? Haben die von uns genutzten Modelle eine wirkliche Aussagekraft, wenn ein zentraler Faktor ausgeblendet wird, weil er nicht zu fassen ist.

Beim Schreiben dieser Zeilen muss ich an das Modell der Black Box von Skinner denken, bei dem er nur Impuls und Wirkung betrachtete. Viele seiner Annahmen konnten erst mit besseren Analysen durch Kognitivismus und medizinische Untersuchungen näher betrachtet und zum Teil revidiert werden. Die Auswirkung auf die Art des Lernen war jedoch trotzdem enorm, die Richtung des Behaviorismus findet immer noch Anhänger.

Und ein Umdenken kam erst mit dem inzwischen inflationär gebrauchten Ansätzen der Konstruktivisten (deren Ideen jedoch häufig auch schon wieder mit anderen Gedanken gepanscht wurden). Doch darum geht es nicht. Die Frage lautet, können wir es uns erlauben wichtige Aspekte unserer Welt einfach zu negieren oder in eine Black Box zu verbannen? Was geht uns damit verloren? Und mit Blick auf die Lebenswelt, wieviel ärmer wird unser Leben dadurch?

Dies ist jetzt nicht das Plädoyer für eine rein sinnlich ausgeprägte Art der Forschung, sondern die Forderung nach mehr Courage. Nach der Courage, der Welt immer wieder neu entgegen zu treten und wahrzunehmen, die blinden Flecken zu suchen und dafür einzustehen!

Für viele Hinweise und die Vermittlung dieser Einsicht bin ich zwei wunderbaren Menschen sehr dankbar, deshalb dieser Beitrag.

BERGER, P. & LUCKMANN, T. (2004) Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit,   20. Auflage Frankfurt, Fischer Taschenbuch Verlag.

FLECK, L. (1980) Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, (original work published 1935) Frankfurt, Suhrkamp.

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Ein Novum, zwei der wohl derzeit “heißesten” Barcamps Deutschlands an aufeinanderfolgenden Tagen in Köln, dies Mitte März 2012.
Die Rede ist vom 10. Educamp und vom 4. bzw. 1. Knowledgecamp, zusammen mit dem 1. Bibcamp .

Da ich bei den letzten Barcamps eher passiv war, hatte eben einfach zu wenig vorbereitet, hier meine  Vorsätze für die 3 Tage in Köln:

  • Film der Talkrunde mit Ellen Trude, Oliver Tacke und Ralf Hilgenstock fertig schneiden und bis zum 10.03. auf Vimeo veröffentlichen (… hier macht der rote Faden noch Probleme)
  • In Köln 4 neue Talkgäste finden und einen Talkrunde moderieren und aufzeichnen -> WER MÖCHTE DIESMAL DABEI SEIN???
  • 1 Session anbieten zu meinen Studiumsinhalten Medien Wissen und Lernen
  • 1 Session anbieten/ begleiten zu iBook 2 und modernsten Lerntools
  • 1 Der Frage nachgehen, was AUSSER Medien als entscheidend für den Lernerfolg gesehen werden kann. Ggf. hier auch Interviews durchführen als Anhang für meine MT

Bei diesen eher “quantitativen Zielen” soll aber eines nicht auf der Strecke bleiben … der Spass am Lernen und Weiterbilden. Denn ich erinnere mich gerne an mein erstes Barcamp in Karlsruhe (knowledgecamp), ich habe viel gelernt, tolle Leute kennengelernt (insbesondere aus Mannheim) und war motiviert wieder zu studieren. Es wurde dort sozusagen der Grundstein gelegt wieder die “Vorlesungsbank zu drücken”.

Ich erinnere mich aber auch, dass wir damals (2009) uns mehr Gedanken über Kultur, über emotionale Bedürfnisse und dergleichen mehr gemacht haben. Dies sollte in Köln aus meiner Sicht wieder auf die Agenda. Damit möchte ich diese den Camps in Bremen und Bielefeld nicht absprechen, bei mir kamen die Themen jedoch gerade zu kurz. Wodurch ist dies getriggert wird sich der eine oder andere Fragen, der meinen letzten Beitrag gelesen hat. Von der Frage ob das Modell/ die Institution Schule noch Zukunft hat, so wie wir es derzeit denken. Ich stimmte McLuhan und Postman zu, die Welt hat sich geändert, wir sind von Medien umzingelt. Es nützt uns nichts die Augen zu schließen und laut zu denken “Wenn ich Dich nicht seh, dann siehst Du mich auch nicht”. Denn jeder Lehrer nutzt ja die Medien, zumindest privat. Oder meldet sich einer der weder Zeitung liest, noch Bücher, der keinen Fernseher besitzt, kein Mobiltelefon und keinen Computer…

Exkurs

Und vor allem dies muss ja nicht schlecht sein. Um einen Gedanken von Norbert Bolz aufzugreifen, die These der Turing-Galaxis folgende Überlegung. Alles Digitale lässt sich herunterbrechen auf einen binären Code von 0 und 1. Damit werden über Interfaces nichts anderes bedient als Algorhytmen. Diese sind mathematische Operationen, was uns eine Brücke baut zur Welt der Ideen der alten Griechen (Aristoteles etc.). Denn er siedelte die Mathematik dort an, um im Höhlengleichnis zu sprechen, außerhalb der Höhle, also im Licht. Diesem Gedankengang folgend können wir die “mediatisierte Welt” wie Hepp sie nennt, als eine Chance der Erkenntnis sehen. Warum tun wir dies so selten und fragen uns (zumindest in der Pädagogik) immer mit welchen Gefahren wir hier konfrontiert werden. Damit möchte ich nicht sagen, dass dieser Gedanke falsch wäre, er ist sogar wichtig. Doch setzt er zu spät an. Wenn wir Kritik üben wollen, dann bitte an der Technisierung, an den Mechanismen die uns die Sicht verstellen auf das Wesentliche. Martin Heidegger hat in seinem Aufsatz “Die Technik und die Kehre” bereits vorgemacht wie dies aussehen könnte, indem er den Begriff des Ge-Stells prägte und uns auf das Entbergen aufmerksam macht. Er erklärt sogar noch was er als “Un-Verborgenes” sieht und wie technische Methoden und Geräte dieses letztlich unterbinden.

Dabei komme ich jedoch zu einem anderen Schluss. Mir geht es nicht darum die Technik zu brandmarken (und bei genauem Hinsehen kommen einem auch Zweifel ob Heidegger wirklich ein Technikgegner war!), sondern darauf aufmerksam zu machen, dass Technik uns Entscheidungen abnimmt, also vorselektiert. Unsere Spielräume werden dabei enger und häufig ertappt ich mich dabei, zu faul zu sein es anders zu denken. Die Kontingenz, das was wäre wenn wirklich ernst zu nehmen.

… Jetzt habe ich mich jedoch in eine Richtung verrant, die dieser Beitrag nicht bis zum Ende verfolgen kann. Da ich meine Posts auch als Anregungen für später nutzen möchte, lasse ich es trotzdem stehen und Kehre an dieser Stelle zu den Barcamps zurück…

Um es auf den Punkt zu bringen. Ich möchte der Frage nachgehen wie wir Medien wahrnehmen, wie wir eine positive Einstellung zu Ihnen finden und die Komplexität unseres Lebens reduzieren können ++++ freu mich auf tolle Menschen, wertvolle Hinweise und die nächsten Schritte in Richtung Wissenschaft.

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