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Archive for October, 2012

Als Medienpädagoge vertrete ich die Meinung, dass eine Präsenzveranstaltung das reichhaltigste Angebot zum Lernen zur Verfügung stellt und als am „reichhaltigsten“ eingeschätzt werden kann. Und natürlich sprengen Medien die Grenzen der Anwesenheit, zwingen zu einer neuen Grenzziehung, einer neuen Unterscheidung von hier und dort (Meyrowitz, 1985, S. 320.). Anwesenheit wird zunehmend durch kommunikative Erreichbarkeit ersetzt, womit die Kontexte häufig erklärungsbedürftig (er) werden (Bolz, 2007, S. 118.). Situationsvariablen wie gemeinsamer Lernort oder Präsenz entfallen. Nach Luhmann sinkt bei fehlender Anwesenheit in einer konkreten Situation die Wahrscheinlichkeit, dass eine Kommunikation mehr Personen erreicht, wobei sich die Unwahrscheinlichkeiten* wechselseitig verstärken (2009, S. 30 f.).

Bei der heutigen Kreidezeit (Link hier) habe ich jedoch für mich eine völlig neue Erfahrung gemacht. Das eigentliche Lernen fand nicht durch das live zuhören (ich war vor Ort) statt, sondern im Chat über Skype. In diesem Chat gab es kein Video, sondern ausschließlich der Austausch von einigen wenigen Bildern wurde genutzt um einen Eindruck der Atmosphäre zu geben. Trotz der Reduktion auf Text, auf das geschriebene Wort lag die Aufmerksamkeit bei meinem Gegenüber und eben nicht bei Gunter Dueck (@wilddueck) im Raum.

Es war also nicht so, dass Twitter, Titanpad, Stream und vor allem Skype eine Ergänzung zu dem Liveevent wären, sondern das Liveevent war Impulsgeber für den Chat, in dem das eigentliche Lernen stattfand. Das Ranking sah dann wie folgt aus

Zitat: „Bei der Diskussion merkt man doch grad deutlich, was einer Person wirklich weiterhilft – wir haben hier vortrag, face to face diskussion, twitter diskussion und unserer diskussion und die reihung ist bei mir grad völlig klar

1. die disk. mit dir (gemeint bin ich als Chat-Partner)
2. dann die disk vor ort/die da grad reden
3. irgendwann dann twitter (und die tweets werden ja auch nicht aufgegriffen)“

Ein Blick auf diese Rangliste hat für uns die Frage aufgeworfen, welchen Stellenwert die Beziehung zu seinem Gegenüber hat. Wie nahe man sich steht, ob/ wie man sich aufeinander einlassen kann.

Dieser Frage möchte ich in den nächsten Tagen nachgehen. Denn zum einen scheint sie mir wichtig bei der Frage was unsere Kinder Lernen sollten, wie eine Bildung im 21. Jahrhundert aussehen soll – und zum anderen passt es gut zu meinem Neuen Steckenpferd: – wait for it – „Lernkultur“

* 1.) Unwahrscheinlichkeit, daß einer überhaupt versteht, was der andere will 2.) Unwahrscheinlichkeit des Erreichens von Empfängern 3.) Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs von Kommunikation (wobei hier die hohe Bedeutung der Anwesenheit hervorgehoben wird, da auf Abläufe innerhalb von Interaktionssystemen unter Anwesenden abgestellt wird).

BOLZ, N. (1995) Am Ende der Gutenberggalaxis,   2. Auflage München, Wilhelm Fink Verlag.

BOLZ, N. (2001) Weltkommunikation,  München, Wilhelm Fink Verlag.

BOLZ, N. (2007) Das ABC der Medien,  München, Wilhelm Fink Verlag.

LUHMANN, N. (2009) Soziologische Aufklärung 3, (original work published 1981)  5. Auflage Wiesbaden, VS Verlag.

MEYROWITZ, J. (1985) No sense of place: The impact of electronic media on social behavior,  Oxford, Oxford University Press New York.

PS: Außerdem hat Christian darauf hingewiesen, dass am Ende vieler Informeller Gespräche derzeit die Frage der “Haltung” auftaucht. Auch dies ist mir zeitnah einen Artikel wert – würde mich freuen hier in eine Diskussion zu kommen.

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Dank einer lieben Freundin bin ich auf den Themenkomplex Lernen, Krise, Bildung, Rahmen und somit transformatorische Bildungsprozesse gestoßen. Da bei mir selbst Einiges im Umbruch ist, setze ich mich mit der Frage auseinander, ob mir eine “Krise” helfen könnte mich weiter zu entwickeln und wenn ja, was so eine Krise auszeichnet. (more…)

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Es war eine Lehrstunde, was Haindling heute Abend in der Heidelberger Stadthalle geboten hat. Ihr Bühnenprogramm hat die Teilnehmer mit einbezogen, dafür gesorgt, dass der ganze Saal (der bestuhlt und vor allem mit Senioren gefüllt war) stand, dass die Zuhörer Textpassagen gelernt haben und sich zugleich auch noch körperlich betätigten.

Mich persönlich bringt das heutige Erlebnis zum nachdenken, wie man eine ähnliche Dynamik in andere Lernsettings überführen kann. Denn heute war es eben nicht so, dass ein passives Publikum sich hat berieseln lassen … was am Anfang meine Erwartung war. Doch die gesamte Mannschaft hat durch viel Variation, durch den Eindruck, dass sie Spaß haben die Zuschauer mitgerissen.

Hinzu kamen kernige Aussagen von Haindling Frontmann Hans-Jürgen Buchner die nicht nur zum nachdenken anregen, sondern die eben Ängste, Scheu etc… nehmen. Schunkeln wollen wir eigentlich nicht, doch heute ist es ein Zeichen der Verbundenheit… Pfeifen ist eine Übung, um die Gesichtsmuskeln zu trainieren und Stehen ist eine gute Abwechslung zum stetigen sitzen…. und alles hat Haindling vorgemacht.

Diese Art Entertainment werde ich mir im Rahmen der Lernkultur-Auseinandersetzung wohl genauer anschauen. Denn alles was auf der Bühne passiert ist war ästhetisch ansprechend, gut durchgeplant … wirkte teilweise spontan…war aber zu jedem Zeitpunkt darauf gerichtet das Publikum zu integrieren…Es war nicht aufdringlich, hat aber trotzdem allen die Sicherheit gegeben (und vor allem auch die Erlaubnis) aus sich heraus zu gehen…

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Hier jetzt meine Anknüpfung zu Red Baraat, dem Konzert gestern im Rahmen von Enjoy Jazz (Konzertinfo hier).

Auch hier war eher älteres Publikum vertreten und trotzdem war ein ausgelassenes mitschwingen, springen, swingen… Es scheint, als haben wir nicht verlernt Spass zu haben und aktiv zu sein, sondern in vielen Situationen, bei vielen Gelegenheiten bilden wir uns ein, es sei nicht erwünscht…. ich wünsche mir ein Gedankenexperiment, wie Lernen in Kontext Erwachsenenbildung sein könnte, wenn man einmal so ausgelassen wie auf einem der beiden Konzerte mit dem Lernstoff arbeitet, sich so aktiv damit beschäftigt… und dabei Freude hat. Und lernen macht uns doch an sich Freude, der Körper schüttet beim Lernen (bzw. in manchen Phasen des Lernens) Glücksstoffe aus…Wieso bleibt oft so wenig übrig.

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Diese Jahr fanden in Karlsruhe das AKWM Symposium und das Knowledgecamp als verbundene Veranstaltungen statt, gemeinsames Hashtag #amk12.

Beide Hauptorganisatoren (Thomas Sohler und Karlheinz Pape) sind mir eng verbunden und beide schätze ich sehr. Doch leider hat mir dieses Jahr etwas Zentrales gefehlt, der Spirit vergangener Jahre. Was meine ich damit. Bisher hatten mich die Veranstaltungen an verschiedenen Stellen immer wieder überrascht, ich habe mir immer viel mitgenommen. Doch dieses Jahr war dies nur sehr partiell so. Auf dem AKWM war Prof. Braungart mit “Cradle to Cradle” überragend und auf dem Knowledgecamp hat mich die Session (Link hier) von Stephan Tanneberger sehr inspiriert … (more…)

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Mosaikisch zur Wissenschaft

Was uns prägt sind bestimmte Menschen, besondere Ort und Erlebnisse die unseren Horizont erweitern. Je mehr ich über die vergangene Woche in Wien nachdenke umso deutlicher wird mir – alles war dabei. Und auch wenn es die Menschen waren die mich geprägt haben, die klugen Anregungen und der besondere Stil, so waren es doch auch die Orte. Wien ist für mich ein Ort, an dem die Gedanken fliegen, ein Ort der Inspiration und einer besonderen Freiheit.

Doch es ist auch ein Ort, zu dem ich eine gewisse Distanz brauche um die Impulse zu verarbeiten… Zurück in Heidelberg wird mir klar welch wunderbare Chancen sich gerade auftun. Die Mitarbeit in einem sehr spannenden Cluster, die Chance in einem umsichtigen Kolleg meine Überlegungen zu präsentieren, zu diskutieren um sie anschließend zu schärfen. Aber auch die Chance direkt in einer anderen Kultur über Lernkultur nachzudenken, darüber nachzudenken wie GER und AUT unterschiedlich an die Dinge herangehen. Mein Eindruck ist, dass in AUT in der Wissenschaft mehr Herz stecken darf, mehr von der Person, mehr von den Überzeugungen. Es wird offen gelegt, dass Menschen immer aus bestimmten Perspektiven auf eine Sache blicken … und die jeweiligen Erfahrungen auch prägend sind.

An mir selbst habe ich an einem konkreten Beispiel festgestellt, dass aus meiner Sicht nicht ist, was nicht sein darf. Das Paradigma, das Ziel gibt vor was wahrzunehmen ist und in welcher Range sich die Ergebnisse zu bewegen haben. Doch was ist, wenn die Ergebnisse nicht in den vorher definierten Raum passen? – In Österreich scheint man sich damit auseinander zu setzen … das ist erstaunlich, denn ich ertappe mich zunehmen beim Vorgehen des Eupalinos (VALÉRY, P. (1932) Eupalinos: or, The architect,  Oxford University Press, H. Milford.), werfe zurück ins Meer was ich nicht verstehe, ignoriere was ich finde.

=> Wenn ich mir etwas als Wunsch für die nächsten drei Jahre der Diss. wünschen dürfte. Ich würde mir wünschen einen guten Umgang mit Dingen/ Erlebnissen/ Sachverhalten zu finden die ich nicht verstehe, insbesondere die Geduld die Dinge auf mich zukommen zu lassen und nicht vorschnell Schlüsse zu ziehen.

Oder wie es Marshall Mc Luhen aufzeigte, die Welt als Mosaik zu verstehen, welches nicht ein eindeutiges/ vorhersagbares Muster besitzt.

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Am  04. Und 05. Oktober fand in Wien in den Räumen des IFF der Alpen Adria Uni Klagenfurt ein Arbeitstreffen Kollegs Life Long Learning statt. Die Veranstaltung wurde geleitet von Prof. Lenz, Prof. Berger, Prof. Lehner, Dr. Sorgo und Prof. Baumgartner.

Innerhalb der beiden Tage wurden zum einen Veränderungen im Kolleg, wie die neuen Aufnahmeregelungen und die personelle Veränderungen, erläutert und die Verbindung zum neuen Forschungscluster der DUK beschrieben.

Das Highlight der beiden Tage waren für mich jedoch die Präsentationen der Dissertanten. Viele Forschungsvorhaben wurden vorgestellt und in der Gruppe besprochen, diskutiert und danach gemeinsam an Lösungen gearbeitet. Dabei fehlte mir am ersten Tag etwas das „befetzen“, also die argumentative, harte Auseinandersetzung. Darauf angesprochen erläuterte mir Prof. Baumgartner ein wenig die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich im Stil des Diskurses. Österreicher (einmal vereinfacht verallgemeinert)  kritisieren weniger öffentlich. Doch wenn man genau hinhört, kann man auch die Kritik erahnen, sie wird nur sehr viel netter verpackt, als z.B. in Heidelberg.

Nichts desto trotz ging es am zweiten Tag auch mehr zur Sache. Mir kam es so vor, als wäre über Nacht eine gewisse Scheu entfallen, und die Beteiligung nahm rege zu. Für mich persönlich konnte ich viel aus den Diskussionen mitnehmen – und war erstaunt, dass ich mich als Neuer auch direkt so stark einbringen durfte.

SUM UP

Wenn ich mich festlegen müsst was mir an dem Kolleg am besten gefällt, käme mir sofort die sehr wertschätzende Art miteinander umzugehen in den Sinn. Diese Freundlichkeit und Offenheit den Anliegen aller Beteiligten gegenüber hat mich sehr an die „Lernkultur“ in unserm Institut (ISB) erinnert … wobei an dieser Stelle offen bleiben muss, was ich unter Lernkultur verstehe…

PS: Eine Mindmap mit den wichtigsten Findings existiert bereits. GGF wird diese ebenfalls hier veröffentlich. Bei Interesse daran bitte ich um kurze Kontaktaufnahme.

PPS: Literaturhinweise andere Forschungsvorhaben:

Für Christian Krammer:

NONAKA, I. 1994. A dynamic theory of organizational knowledge creation. Organization Science, 14 – 37.
http://books.google.de/books?id=B-qxrPaU1-MC&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

PROBST, G., RAUB, S. & ROMHARDT, K. (2006) Wissen managen,   5. Auflage Wiesbaden, Gabler.

REINMANN, G. 2010. Studientext Didaktisches Design [Online]. München. Available: http://lernen-unibw.de/studientexte [Accessed 13.08.2011].

REINMANN, G. & EPPLER, M. (2008) Wissenswege,  Bern, Hans Huber.

Zu Handlungsorientierung und reflektierter Aufbau von Wissen 
AICHER, O. (1991) analog und digital,  Berlin, ernst & sohn Verlag.

 

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Wie Peter Baumgartner in seinem Blog ausführlich berichtet hat (z. B hier, hier, und hier), tut sich derzeit einiges im Kolleg Life Long Learning (Überblicksinfo Kolleg). Gestern gab es hierzu ein Treffen von Mitgliedern des Kollegs, Mitarbeitern der Donau Uni Krems (DUK) und Freunden des Kollegs.

Im Rahmen dieses Treffens wurde ein Ausblick gegeben, wo sich das Kolleg und das neue Forschungscluster an der DUK hin entwickeln könnte. Besonders spannend dabei, ist die Überlegung, hochrangige Professoren als Berater zu konsultieren, um an der Gestaltung des Kollegs zu beteiligen (Namen sind noch nicht alle offiziell, werden aber sicher zeitnah auf den Seiten des Cluster, auf dem Blog Gedankensplitter von PB oder auf der DUK Seite veröffentlich).

Begeistert hat mich auch die offene Herangehensweise und die Vielfältigkeit der Mitglieder. In dem Cluster treffen sich Kulturwissenschaftler, Informatiker, Pädagogen, Soziologen, Theaterwissenschaftler  und viele Professionen mehr. Da ich nach wie vor zum Thema LERNKULTUR promovieren möchte, scheint es genau der richtige Ort (und auch die richtige Zeit) für mich um durchzustarten. Denn Kultur kann man nie nur aus einer Disziplin denken, insbesondere nicht wenn man Bernds (Bernd Schmid) Anregungen ernst nimmt und versucht in verschiedenen Perspektiven zu denken.

Um es kurz zu machen, ich freue mich sehr auf die Arbeit im Kolleg, im Cluster und auf den Austausch und das Zusammensein mit “der Community”.

 

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