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Archive for May, 2012

Dem stellen Pädagogen die These entgegen, dass mit Hilfe der Analyse und der Kritik der Massenmedien bzw. massenmedialer Produkte die Wirkungen der Medien überkommen werden könnten (Schell, 2010, S. 15.). Dabei wird vor allem die Manipulation der Inhalte sowie die Gewalt durch Medien betrachtet (Früh und Wünsch, 2010, S. 420 ff.). Eine umfassende Auseinandersetzung mit der Medienwirkung wie sie der Pädagoge Schorb fordert, welche auch nach den kommerziellen bzw. ökonomischen Aspekten bzw. Machtinteressen fragt bleibt jedoch aus (Schorb, 2010, S. 258 ff.). Dies liegt nach Schell auch an der „mangelnden medienpädagogischen Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer … [und] ihrer Unsicherheit im pädagogischen und technischen Umgang mit Medien“ (2010, S. 16.). Doch auch ohne die letzte Einschränkung scheint die These der Pädagogen kaum haltbar. Zum einen, da sich eine Medienwirkung nicht primär auf inhaltlicher Ebenen entfaltet, sondern wie dargelegt in der Veränderung der Wahrnehmung und des Kommunikationsverhaltens. Außerdem gewinnen wie in Kapitel 2.1 erläutert andere Medienformen neben den Massenmedien an Bedeutung, z.B. die kontingente (digitalen) Medien in Form von Blogs, Foren oder Personal-Learning-Environments. Dies führt im Lichte des informellen bzw. selbstorganisierten Lernens zu einer besonderen Dynamik, da die Lerner selbst dafür verantwortlich sind, sich bewusst mit den Medien und ihrer Wirkung auseinander zu setzen.

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So, die Thesen wie Medien auf Lernen wirken sind gesammelt, priorisiert, selektiert und bereit diskutiert zu werden. Hier nun als Auszug aus der Masterarbeit…

  • Medien prägen die Wahrnehmung und die Art zu denken, was anhand der linearen Schriftkultur und der oralen Stammeskultur deutlich wird (McLuhan, 1970, S. 85 ff.). Meyrowitz spitzt dies zu indem er ausführt „we remain heavily dependent on literacy in both the way we store information and in the way we think“ (1985, S. 307.). Sein Lehrer Postman ergänzt, dass unsere Medienmetaphern die Welt für uns in eine zeitliche Abfolge bringen, sie vergrößern, verkleinern, einfärben und sie damit eine bestimmte Deutung der Beschaffenheit der Wirklichkeit hervorrufen (Postman, 2009, S. 20.).
  • Medien, insbesondere das Fernsehen,  werden zu einem zentralen Element der Erziehung und ersetzen dadurch menschliche Bindungen (Postman, 2009, S. 168 ff.). Menschen die von Beginn an mit Medien aufwachsen, nutzen Medien unreflektierter.
  • Medien prägen unsere Kommunikation und unsere Wahrnehmung, sie teilen die Welt nicht mit, sondern für uns ein (Luhmann und Fuchs, 1989, S. 7.).
  • Dabei sind Medien stets technisch geprägt ohne etwas technisches zu sein, fordern uns jedoch auf, die Welt naturwissenschaftlich mathematisch nach Descartes (vgl. Aicher, 1991, S. 11.)  herauszufordern bzw. sie zu stellen und ihr ihre „Geheimnisse“ zu entreißen (Heidegger, 1962, S. 14 ff; 21.). Dies bestimmt wie wir etwas über die Welt lernen und offenbart zugleich eine Kanalreduktion, bestimmt durch eine Art des Entbergens, es ist nur erkennbar was die Technik bzw. die Medien erkennen lassen.
  • Heiße Medien lassen weniger Beteiligung zu und kalte Medien fordern persönliche Beteiligung (McLuhan, 1970, S. 32 ff.).
  • Medien sind selbst kommerzielle geprägt, unterliegen also dem Systemcode „haben/ nicht haben“. Durch die medial vermittelte Kommunikation tragen sie diese Prägung in Lernkontexte, vgl. hierzu das aktuelle Vorgehen der Schulbuchverlage im Kontext des Urheberrechts (Schulbuchverlage, 2010).
  • Digitale Medien schaffen eine parallele, fiktive Welt ohne Sinn zu stiften, da sie keine ausreichende Rückbindung an die materielle Welt besitzen (Aicher, 1991, S. 75 ff.). Der Information-Overload führt zusätzlich zu einem Orientierungs- und Sinndefizit, kurz zu Konfusion. Dies kann jedoch nicht durch die Infusion von mehr Informationen behoben werden (Bolz, 2007, S. 26.).
  • Moderne Medien zerstückeln Daten in einer Weise, dass daraus „kontextlose Information“[1] wird, die durch Belanglosigkeit und Zusammenhangslosigkeit zu Handlungsunfähigkeit führt (Postman, 2008, S. 85 ff.). Ein Verstehen von Zusammenhängen wird dadurch erheblich erschwert.
  • Medien sprengen die Grenzen der Anwesenheit und zwingen zu einer neuen Grenzziehung, einer neuen Unterscheidung von hier und dort (Meyrowitz, 1985, S. 320.). Anwesenheit wird zunehmen durch kommunikative Erreichbarkeit ersetzt, womit die Kontexte erklärungsbedürftig (er) werden (Bolz, 2007, S. 118.). Situationsvariablen wie gemeinsamer Lernort oder Präsenz entfallen. Dies ist kritisch, da es nach Luhmann unwahrscheinlich ist, dass eine Kommunikation mehr Personen erreicht, als in einer konkreten Situation anwesend sind und sich die Unwahrscheinlichkeiten wechselseitig verstärken (2009, S. 30 f.).
Und was stellt die Pädagogik dem entgegen? – Dazu morgen mehr…


[1] Anm. d. Autors, es ist der Widerspruch in dem Ausdruck zu berücksichtigen, da Information per Definition in einen Kontext eingebettet sein muss.

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