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Am 04.06.2014 durfte ich beim oben genannten Summit (link) von Frank Siepmann in mehreren Rollen weiter Erfahrungen mit dem Thema „Lern-Kultur“ sammeln.

Konkret waren meine Rollen

  •  Referent Wake Up Call: „Gibt es wirklich nur „EINE“ richtige Lernkultur (Folien hier)
  •  Teilgeber World Cafe: (Hier haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was wir unter Lernkultur verstehen, was wir mit Ihr erreichen möchten)
  • Fallgeber „eLearning Design Thinking“ moderiert von Martin Lindner (Link) mit dem Thema: „Wie erkenne ich meine Lernkultur?“

… dabei soll aber nicht untergehen, dass gerade die Pausengespräche eine große Bereicherung und Ergänzung waren – auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass es gerade auch durch diese intensiven Gespräch in Summe für mich zu viel war… ich leider beim BarCamp nicht mehr teilnehmen konnte, eine Pause einlegen musste.

Findings:

Da es eine Fülle zu berichten gibt, möchte ich mich auf die wichtigsten Merker/ Findings beschränken, also auf die Dinge dir für meine persönlichen Fragestellungen besonders relevant wahren.

1. Erfahrung Eröffnungsvortrag… und Gestaltung von 3 Programmpunkten

Beim Summit wurde mir nochmal deutlich, wie wichtig für mich Raum und Entschleunigung sind… sowie eine gute Absprache wie wir die Dinge tun. Konkret: Bei dem nächsten Vortrag werde ich vorher abstimmen wie die Vorstellung sein wird und wo ich dann stehe. Denn durch diese Unklarheit ist mein ganzer Einstieg durcheinander gekommen und ich habe mich die ersten 5min unsicher gefühlt; hatte wenig Präsenz.

Wie wichtig es ist in den Setting den Raum zu lassen um die Fragen zu verstehen, die Gruppe sich finden zu lassen und so ein „Einschwingen zu ermöglichen“ wurde wie angedeutet auch deutlich. Damit will ich nicht sagen, dass Andere es auch so machen müssen, doch ich möchte meinen „Flow“ eher anders erzeugen… eher den Raum bieten um sich auszubreiten als zu pushen.

2.) Aspekte & Perspektiven „meines“ Lern-Kulturmodells

Die Aspekte Verantwortung (für das Lernen), und zeitliche Gestaltung des Lernens sind nochmal hervorgehoben worden. Die Perspektiven Benefits (Also was haben die Beteiligten von einer bestimmten Ausgestaltung, warum ist es für sie so vorteilhaft… konkret hatten wir die Frage, warum soll ein Experte die Novizen anleiten… sie beim „Wissensaufbau“ unterstützen, onformell -> Reputation, Gefühl der Freigiebigkeit), Sinngebung (was hat es für eine Auswirkung für mich, warum ist es für mich relevant), Wirtschaftlichkeit (Unternehmerperspektive)  und Transfer in das „Funktionsfeld“

3.) Ergänzungen; neue Fragen

Durch die Inputs kam bei mir die Idee auf, dass ich über die Beschreibung der für mich besonders geeigneten Lehrenden; also PersonaS (PLURAL) eine gute Oberfläche entsteht, die zugleich die Aspekte und Perspektiven verschlankt. Es könnte ein Extra Teil sein.

Auch durch den Hinweis sich darüber Gedanken zu machen, wer denn alles noch eine „ähnliche“ Lernkultur hat, stellt sich die Frage der Systemgrenzen. Mit Blick auf Tobias Jenerts Studienprogrammkulturen könnte man fragen: Ist es eine Curriculums – eine Fakultäts- oder eine Universitäts- ( Organisations-) Kultur.

Ohne die Antwort vorweg zu nehmen, weil ich sie einfach noch nicht kenne… scheint es auf alle Fälle wichtig sich die Frage zu stellen, was ist noch Teil der „selben Kultur“ – und wo ist schon eine andere.

Mir geht dabei auch durch den Kopf, ob es nicht verschiedene Ebenen von „Lernkultur“ gibt, die sich in ihrem Abstraktionsgrad unterscheiden… aber in einer bestimmten Art kaskadierend aufgebaut sind. Aber auch hier bin ich mir noch nicht sicher… glaube aber es braucht ein Dreidimensionales Modell, dass das Verhältnis von

Lernkultur Ebene 0; Lernkultur Ebene 1; Lernkultur Ebene 2; Unternehmenskultur; Nationalkultur… darstellt. Wir kommen bei Zeiten darauf zurück.

Mein letzter Gedanke soll sich einem Pausengespräch und einem Input im World Cafe widmen, indem wir über das Wording „Lernkultur“ und die „Adressaten“ gesprochen haben. Dem Zitat von Bernd Schmid folgend „Kultur ist Chefsache oder findet nicht statt“ scheint klar, die Entwicklung und Suche nach der Lern-Kultur muss von der Geschäftsleitung betrieben werden, vom Unternehmer oder CEO… und eben nicht aus dem Personalbereich heraus. Warum? Die Prinzipien beim Lernen sollen mit den Prinzipien harmonieren wie gearbeitet wird, wie die Leistungserbringung erfolgt. Ist es anders… wünscht sich bspw. der Organisationsentwickler einer Bank „frei denkende Mitarbeiter“, kann dass zu enormen Schwierigkeiten in der Bank führen, wenn der Arbeitsalltag von genauer Regeleinhaltung, spezifischen Vorgaben und engmaschigen Prozessabläufen dominiert ist. Beim Lernen (Lernfeld) wird etwas gefördert, was im Arbeitskontext (Funktionsfeld) nicht angewendet werden kann… das führt im positiven Fall zum Vergessen, im negativen Fall zu einer Frustration der Mitarbeiter.

Fazit:

Lieber Frank, vielen Dank für den Lernraum den Du hier aufmachst, für die wunderbaren Begegnungen und die Erfahrungen… ich weiß es sehr zu schätzen und mach mich jetzt mal an die Abarbeitung der Inputs😉

PS: Bilder und eine extra Zusammenfassung des “eLearning Design Thinking” folgen.

Was sind die Treiber eines neuen Narrativs?

 

Diesen Dienstag dachten Bernd und Tomáš gemeinsam darüber nach, wie sich unser Wirtschaftssystem verändern ließe, was die entscheidenden Aspekte bei dieser Veränderung sind… und wie man dies fassen könnte.

Für mich als Außenstehender war sehr spannend zu sehen, dass sie es zum einen über Geschichten, Metaphern … und Frameworks (Frames of References; inhaltliche Ebene) versuchten und zum anderen wie sie gemeinsam/ miteinander nachdachten  -oder sich eben nicht auf dies einließen was der Andere einwirft – man könnte es auch ein Bissl als Rosinenpicken bezeichnen… oder eben als Fokus.

 

-> Für mich folgenden daraus die beiden Lernfelder:

1.) Was kann ich von den beiden als Persönlichkeit lernen

2.) Was habe ich inhaltlich verstanden.

-> und zusätzlich Anregungen für die Gestaltung meiner Diss.

Aus Zeitgründen möchte ich jetzt nur auf 2.) und die Diss. eingehen.

Auf Basis des Gesprächs habe ich für mich eine Mindmap erstellt, die mir Hinweise gibt, was das neue „Wirtschaftsnarrativ“ prägen könnte – und oh wunder, es scheint mir sehr ähnlich dem, was die „Neue Lernkultur“ prägen könnte. Meine Überlegungen finden sich am Anfang des Artikels (Mindmap)…  Kommentare dazu sind herzlich willkommen.

 Für meine Diss.

In dem Gespräch wurde mir nochmal deutlich, dass es sinnvoll scheint keine großen Theorien zu erstellen, wie versuchen genau zu erfassen was „denn der Fall ist“. Sondenr es geht er darum

  • Ein Modell/ mehrere kleine Modelle zu bauen, welches Orientierung gibt
  • Die Modelle als Mosaik begreifen; damit sind sie nicht ein System, müssen aber zueinander passen
  • Unschärfe bewusst zulassen, so dass Spielräume entstehen (und Flexibiltät)
  • Für das Verständnis das Modell mit Metaphern und Geschichten hinterlegen
  • Hinweis Prosa: Die Kunst ist es nicht die Oberfläche detailreich zu beschreiben, sondern mit der Beschreibung ein Verständnis für die darunterliegenden Schichten zu erzeugen, erfahrbar zu machen – eben anhand der Oberfläche

Und letztlich kommt noch der Aspekt der Demut hinzu. Es ist kein Zeichen von Reife wenn man glaubt man könne alles erklären... sondern ein Zeichen von Verständnis, wenn man die Begrenztheit seines Ansatzes erkennt

-> Ganz wichtig ist es zu verdeutlichen was das Modell leisten kann, wozu es gedacht ist… und wo eben die Grenzen liegen. Hier gibt es ja auch den Hinweis von Popper… ein Modell muss auch widerleg bar sein (prinzipiell).

 

PS: Ob uns die großen Geschichten abhanden gekommen sind; verschwunden sind wie Lyotard sagt kann ich nicht einschätzen. Doch dass es neben dem „wissenschaftlichen Wissen“ auch einen Bereich geben sollte in dem wir „lebensnah“ oder eben „narrativ“ die Dinge fassen … finde ich gut. Noch besser, wie in Fallstudien fände ich es aber, wenn wir dies wieder zusammenbringen😉

Bild

 

Quelle: Eigenes Bild; Wuppertal Schwebebahn; oder “eine kleine Spittelau in black & white”

 

Dank der Impulse der Teilnehmer meiner „Lern-Kultur Session“ und den Hinweise von Prof. Dehnbostel kam mir doch noch eine Einsicht, die ich nachfolgend kurz darstellen möchte. Im Kern geht es um die Unterscheidung von „Lern-Kultur“ und der Programmatik im Diskurs um die „Neue Lernkultur“ (aufgebracht von Faulstich).

„Neue Lernkultur“

Lernkultur

–     Wie sieht „gutes Lernen“ aus

–     Welche Werte und Haltungen sind förderlich

–     Förderung der Selbstbestimmung des Lerners

 

 

–     Betrachtungsraum:
       allgemein

=>              Normativ

–     Was prägt das Lernen in eine spez. Kontext besonders?

–     Welche Bestandteile von Kultur kann ich beschreiben und ggf. vergleichen?

–     Was unterscheidet zwei Lernkulturen?

–     Über welche Aspekte bin ich mir bewusst?

–     Betrachtungsraum:
       spezifisch, kontextabhängig

=>              Deskriptiv

 Warum ist das wichtig?

Mein Eindruck aus der Session (Input & Doku) war, dass die Mitarbeiter der VHS gerne ihre Lernkultur verändern, entwickeln und gestalten wollen, aber mir nicht deutlich machen konnten was ihr Zielbild – ihre Zielvorstellung ist. Anders gesagt, die Teilnehmer sind sich darüber klar, dass sich das Lernen verändert und sie wollen diese Veränderungen zulassen. Wie sich das Lernen verändert, welche Formen als wünschenswert und förderlich gesehen werden … nach den Antworten darauf suchen sie in der Debatte um die „Neue Lernkultur“.

Da ich in meiner Session aber über eine förderliche Lernkultur für die jeweilige VHS, also für den jeweiligen Kontext sprechen wollte, versucht habe mit den Teilnehmern zu ergründen wie die Lern-Kultur in einer spezifischen VHS ausgeprägt ist… sind wir nicht übereingekommen.

Anders ausgedrückt. Die Teilnehmer wollten darüber sprechen wie sie den Wandel/ Change organisieren, und ich wollte erst über die aktuelle (Ist-) Situation sprechen und eine Soll-Situation ableiten.

In dem Gespräch mit Prof. Dehnbostel (das hoffentlich auch bald als Video verfügbar sein wird) wurde mir aber auch noch etwas anderes klar. Die Debatte um die „Neue Lernkultur“ ist geprägt von Annahmen über unsere Gesellschaft und die Entwicklung dieser. Vereinfacht gesprochen könnte man auch sagen, viele Überlegungen gründen darauf was wir über die „Wissensgesellschaft“ denken (also wie Arbeitsplätze beschaffen sind, welchen Informationszugang wir heute haben, wie wir unser Privatleben organisieren) und in welcher Zeit wir uns wähnen. Mein Stichwort ist hierfür die Postmoderne, die eine sehr kluge Freundin von mir kürzlich mit den Kerncharakteristika

–       Plural (Pluralität)

–       Krisenhaft (Krise)

–       Spielerisch (Spiel)

beschrieben hat. Dem folgend dreht sich der eine Diskurs darum, wie wir allgemein mit den gesellschaftlichen Herausforderungen umgehen wollen und welche Ausprägungen gutes Lernen auszeichnet. Ob und wie Inhalte in diesem Diskurs enthalten sind vermag ich leider noch nicht zu sagen, weil mir das Zusammenspiel mit dem Diskurs um Bildung noch nicht klar ist. Der andere Diskurs (Lern-Kultur) dreht sich darum, wie ich den Kontext des Lernens als kulturell geprägt begreifen kann, und wie ich mit Begriffen und Konzepten aus dem Bereich der Kultur, die relevanten Aspekte für gutes Lernen beschreiben kann.

Kurzes Fazit:

Anders als einer guten Freundin aus Innsbruck fällt es mir sehr schwer die Plurailität der Postmoderne zu denken. Ich schaffe es nicht auf dieser Ebene, also für so viele Plurale Kontexte über Bildung und gutes Lernen nachzudenken. Aus dem Grund, und weil ich überzeugt bin, dass „Context King“ ist, werde ich mich in Zukunft mehr um einen deskriptiven Ansatz bemühen. 

PS: Vielleicht fehlt mir auch einfach die Erfahrung und die Weisheit um das große ganze zu verstehen… und eines Tages traue ich mich auch an dieses Thema ran🙂

 

 


Anfang April hat mich Karlheinz (@khpape bei Twitter) auf das Barcamp der VHS aufmerksam gemacht… und mich etwas angestachelt eine Flipped Session zu Lernkultur anzubieten… Mixxtplattform siehe hier: http://vhscamp.mixxt.de

Für mich kam das gerade zum richtigen Zeitpunkt, da ich mich in meiner Dissertation etwas verrannt, die Bodenhaftung verloren hatte. Drum an der Stelle erst nochmal herzlichen Dank Karlheinz!

Damit die Bodenhaftung wieder hergestellt wird, habe ich mir die folgende Session überlegt (mal weniger wissenschaftlich und eher pragmatisch). Ich möchte mit Interessierten darüber diskutieren, wie Lernkultur die Organisation des Lernens unterstützen kann. Ich möchte über Potentiale sprechen und wie ein Transfer in die Praxis aussehen kann. Damit das gelingt, habe ich für die Vorbereitung etwas Input vorbereitet, also ein kleine Einführung. Ich hoffe für LeiterInnen/ Fachbereichsleiter und HPM der einzelnen VHS ist dies ein guter Einstieg um entscheiden zu können, ob die Session für sie ansprechend ist.

Zu dem Material gehört außerdem eine kurze Zusammenfassung einer Session auf dem #clc13 in Frankfurt (mit Prof. Sauter und anderen Professionellen)

https://www.youtube.com/watch?v=k92krWQ-b3E

Für mehr Informationen verweise ich hier auf das Material auf der MixxtPlattform und die Präsi auf Slideshare

Mixxt:    http://vhscamp.mixxt.de/networks/forum/thread.339647

bzw. http://vhscamp.mixxt.de/networks/files/folder.23986

und Slideshare:

 

Rundungen, Lichter und Gewächse

… ein Zitat von Prof. Paul Kirchhof im Rahmen des Karl Jaspers Preises 2014 in Heidelberg.

Wann hat man etwas wirklich durchdrungen? Wann hat man etwas wirklich „verstanden“? Oder anders gefragt, wann hat man mehr als eine bloße Meinung?

Diese Fragen führen etwas in die Irre, da sie dazu verführen wieder die Frage nach Wissen und Expertentum zu diskutieren. Doch sind sie eben auch die Basis um sich mit „interdisziplinären Betrachtungen“ – mit Grenzgängen auseinander zu setzen.

Zur Verdeutlichung ein kleines Beispiel aus meiner Arbeitswelt. Wenn ich ein Video einer isb Veranstaltung frei ins Netz stelle, reichen grundlegende Kenntnisse in der Computerbedienung nicht aus. Ich muss über juristisches Wissen verfügen um zu entscheiden wen ich zeigen darf und welche Musik ich einspielen kann, ich benötige ein Grundwissen über Medienformate, um zu entscheiden wie ich das Video exportiere und ich benötige fachliche Kenntnisse, um einen passenden Abstract zu erstellen.

Bin ich deshalb Experte in der Technik oder in der Medienwissenschaft? Nein, aber ich habe zumindest eine Erfahrung gemacht was funktioniert,  z.B. welche Formate besser verarbeitet werden. Diese Erfahrung versetzt mich in die Lage etwas zu vollbringen – und einen besseren Weg einzuschlagen, als wenn ich die Erfahrungen nicht hätte.

Vor dem Hintergrund dieser kleinen Geschichte, möchte ich nun meine Überlegungen zu wissenschaftlichen Grenzgängen entfalten – die hier nur als erster loser Gedankensplitter aufscheinen können und sollen, schlicht damit ich sie nicht vergesse.

Und zwar geht es mir darum, wann man sich trauen kann einen Umstand/ ein Objekt aus mehreren Perspektiven, Professionen bzw. Fachgebieten zu betrachten. Wann ist das eigene Verständnis von dem Handwerkszeug eines Faches groß genug, um es anwenden zu können? Wann darf ich mich als Pädagoge trauen neurowissenschaftlich zu argumentieren? Wann darf ich als Pädagoge sozialwissenschaftliche oder historisch argumentieren? Wie viel Kenntnis von dem Zusammenhängen brauche ich? Oder anders gesagt, wann bin ich Experte genug um mir eine Äußerung zuzutrauen?

Reicht es aus, ein Buch zum Thema gelesen zu haben? Reicht es, einen Vortrag zu gehört zu haben? Muss ich selbst eine Studie dazu gemacht haben oder ein Studium absolviert haben? In wie fern hilft mir sauberes Zitieren, das kenntlich machen in dieser Situation? Oder anders gefragt, wie viel Meinung darf in einem guten Paper stecken und wie viel Fachkenntnis (oder eben Einsicht) ist notwendig?

Eine Antwort habe ich heute nicht, doch die Frage wird sicher in meiner Diss. aufscheinen – wenn es um die Perspektiven geht, mit denen einzelne relevante Aspekte einer spezifischen Lernkultur betrachtet werden sollen.

Derzeit kommen mir viele Veröffentlichungen zu den Themen #Bildung #Bildungsmanagement #Kritische Theorie #Pädagogische Strömungen #Identität #Informelles Lernen etc. auf den Tisch.

Dabei bekomme ich zunehmend den Eindruck, dass Vieles was wir als Innovation feiern bereits da war – und zum Teil in höherwertiger Form. Ganz besonders beim #informellenLernen geht es mir so. Denn wenn wir heute darüber diskutieren, dass 80% am Arbeitsplatz gelernt wird und nur 20% in formalen Settings… vergessen wir anscheinend das Duale-Schulsystem (Haupt-Schule/ Berufsschule und Betrieb), das Lehrmeisterprinzip im Mittelalter (als der Novize vom Meister nicht nur Fachinhalte lernte, sondern oft mit ihm zusammen lebte – Mönche) oder eben Stammtische und Diskussionskreise (wie den Wiener Kreis der 1920/30 in Wien). Zur Erinnerung, dieses Erfolgsmodell wollen wir in Deutschland gerade abschaffen!!! Andere bauen genau dies derzeit auf.

Nur weil wir es jetzt anders nennen und die Ergebnisse genauer auswerten, heißt es nicht, dass wir ein besseres Lernen ermöglichen würden!

Mit Blick auf die Hochschule treiben mich aber die 60/70 er noch mehr um. Damals gingen Studenten für Ihre Überzeugungen auf die Straße, die Lehre sollte entschlackt werden, die Methoden geöffnet – das Resultat waren neue Freiheiten. Damit meine ich nicht nur die Form des Magisterstudiums (die durch die Bologna-Reform ja Großteils wieder kassiert wurde), sondern auch die Freiheit im Geiste. Studenten haben sich emanzipiert, Formen von Partnerschaften und Beziehungsgemeinschaften wurden neu gestaltet… wo heute nur die Toleranz gelebt wird.

Aber wo sind wir denn wirklich gelandet? Wir sprechen von einer annähernden Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren… doch was ist mit wirklicher Integration? Was ist mit offenen Beziehungen? Was ist mit offenen Lernformen und echten Sharing, wie es von Volker Grassmuck (Unger, 2012) eingefordert wird? Nicht nur, dass wir nie modern waren (Latour), sondern wir scheinen auch zurück zu schrecken und Grenzen wieder aufzubauen. Wir versuchen künstlich Dinge zu verknappen, wo wir doch wissen dass wir sie auch im Überfluss haben könnten. Liebe und Zutrauen verbraucht sich nicht hab ich mal gehört.

Konkret denke ich hier aber ans Lernen. Könnte ich nicht so viel besser Lernen, wenn ich andere in mein Lernen wirklich einbeziehe, bzw. sie teilhaben ließe? Wäre es nicht für andere spannend zu sehen wie ich lerne (um Impulse zu bekommen) und für mich hilfreich ein Feedback zu bekommen (und dabei gegenseitig heraus zu finden wie Feedback gestaltet werden kann, damit es Wirkung entfalten kann)?

Vielleicht waren diese Freiheiten in den 60ern auch da, weil wir einen Aufschwung in Deutschland hatten, es uns sehr gut ging und unsere Eltern/ wir im Wohlstand lebten. Drum konkret gefragt: Geht es uns nicht gerade auch sehr gut? Leben wir nicht im Aufschwung? HABEN WIR NICHT GENUG WOHLSTAND UM UNS ECHTE BILDUNG LEISTEN ZU KÖNNEN?

Diese Frage möchte ich so im Raum stehen lassen. Mir steht es nicht zu für andere zu entscheiden –  drum freue ich mich auf Feedback und Kommentare – um voneinander zu lernen und unseren Teil zum Sharing beizutragen J

UNGER, A. 2012. Die Kultur des Teilens im digitalen Zeitalter. In: SÜTZL, W., STALDER, F., MAIER, R. & HUG, T. (eds.) Cultures and Ethics of Sharing. Kulturen und Ethiken des Teilens: S. 131 – 148. Innsbruck: innsbruck university press.

Nov. 2013unbenannt-901-1

Hier in Florenz sieht man die Sonne aufgehen, die Hoffnung aufsteigen (und es wurde ein schöner Tag). Diese Metapher könnte auch für unser Bildungsverständnis zutreffen, wenn wir uns über Verantwortung und die angestrebte Lernkultur klar werden. Uns den Begriff wieder vor Augen führen.

 

Rückblick Herbst 2013

Viel ist passiert in diesem Herbst, in Stichpunktform seien zu nennen:

#GMW13; #CLC13 (Barcamp Corporate Learning); #DBVC-Sommercamp; #LearningConversations Florenz; #E-Learning-Summit Ludwigsburg; #ÖFEB13 Innsbruck; #LLL-Kolleg Krems + Wien; #Albertina – Matisse Ausstellung

und was man auch nicht vergessen sollte

#LernkulturDiskussionen in Innsbruck; #Konfrontation mit Feldenkrais Pädagogik in Alpbach und Darmstadt; #ÜberdenkenMeinerDiss; #NeuausrichtungMeinerDiss; #Präsentation DissÜberlegungen; #HinweisAufDeleuze (Was ist Philosophie? Was ist ein Begriff?); #UmsturzMeinesPrivatlebens; #AbschiedNehmen; #Umzug; #NeuPriorisierung; #Projektskizze für SRH

Um es kurz zu machen, es ist sehr viel passiert und in vielerlei Hinsicht wurde ich enorm geprägt. Was entscheidend dabei ist, die persönliche Entwicklung scheint mir zunehmend mit meiner wissenschaftlichen bzw. beruflichen Entwicklung zu korrelieren. Als Merker bzw. Learnings für die Zukunft möchte ich einige Aspekte herausgreifen, die mir besonders relevant scheinen.

In Florenz durfte ich lernen, wie viele Annahmen kulturell geprägt sind, ohne dass wir uns dies bewusst machen. Insbesondere, dass wir in bestimmten Strukturen denken und Dinge kombinieren, scheint mir nun zu tiefst vorgeprägt. Auch wie Kunst und Kultur zusammenspielen, wie prägend schöne Orte, einzelne Bilder sind – dies sollte man nie vergessen. (Siehe oben der Sonnenaufgang, oder eben auch die Bilder aus den Tiroler Alpen). Diese Eindrücke eröffnen neue Wege und geben Kraft.

Wie bereichernd offenes Feedback sein kann, durfte ich in Innsbruck erleben. Zugleich aber auch wie wichtig es ist Rückhalt zu bekommen, auf einen Menschen zu vertrauen, der wirklich da ist wenn man ihn braucht. Der einem hilft mit dem Feedback zu arbeiten, obwohl er oder sie selbst unter Druck stehen. (Wir erinnern uns an das Wunderbare und den wunderbaren Gedanken).

Was mir jedoch besonders wichtig ist, ist der Aspekt aus dem gewohnten Umfeld auszubrechen. Ich durfte mich in Österreich zwei Wochen meiner Dissertation widmen, ohne viel Ablenkung darüber nachdenken… mir Zeit nehmen die Gedanken weiter zu denken und nicht immer zu hetzen. Ohne die Feedbackschleifen wäre es sicher nicht so produktiv geworden, doch ich weiß jetzt, dass es eben die Konzentration braucht. Nur so konnte ich mir klar werden (hier nochmal herzlich Dank an Prof. Baumgartner für die Geduld) was meine Dissertationsarbeit leisten kann –und was eben nicht. (Siehe dazu zeitnah einen Beitrag, der auch auf meine Inhalte auf Wikiversity.org eingeht).

Dazu ist es aber auch notwendig Prioritäten zu setzen, Dinge auszulassen und  mal auf etwas zu verzichten – auch wenn man es sich zu tiefst wünscht. => Strategisch kluges Handeln ist entscheidend für die wissenschaftliche Arbeit, aber eben auch für das Privatleben.

Das ist ein anderer Weg als ihn Matisse beschreibt… doch auf seinen Weg, sein Zitat werde ich noch zu sprechen kommen. Bestimmt!

“Der Fauvismuss erschütterte die Tyrannei des Pointillismus. Er lässt sich in einem allzu ordentlichen Haushalt nicht leben. Also bricht man in die Wildnis auf, um sich einfachere Mittel zu beschaffen, die den Geist nicht ersticken!”
Quelle: Wandtext Albertina Wien